Miao – ein Glück

Es existieren Theorien, Anweisungen und Methoden für die Bewegung und die Ruhe, für ein Vordringen und Zurückweichen und eine unendliche Anzahl von geheimnisvollen Zielen und Philosophien.

Man erfährt Miao (Glück der spontanen Verwirklichung), das Wunderbare oder Unbeschreibliche.

Das schreibt Liu Han Wen in „Chinesisches Chan Mi Qi Gong. Das ganze Buch“ von Lotus Press.  Es ist etwas, das ich in der Übung erfahre, um die es in seinem Buch an der Stelle gerade geht. Ich erfahre es aber auch oft genug im Taijiquan, den Seidenübungen oder dem Schwimmenden Drachen, in der Meditation und auch eben im Chan Mi Gong. Bei allem, was fließt: Glück. Etwas Wunderbares, Unbeschreibliches, das mir ein Anker ist selbst an Tagen, die mich mehr anstrengen, und von denen es im Moment auch ein paar mehr gibt, als sonst üblich.

Goldene Perle

Geschrieben hat Liu Han Wen diese Zeilen über eine Übung aus dem Chan Mi Gong. Dessen Basisübungen bestehen im Wesentlichen aus fließenden Wellen durch die Wirbelsäule und wir üben sie auch im Kurs zeitweise. Die Übung, um die es an der Stelle konkret geht, ist als Abschlussübung zumindest im Kleinformat recht verbreitet auch außerhalb des Chan Mi Gong. Wir üben sie verkürzt zum Abschluss jeder Stunde, nach einer kleinen klopfenden oder streichenden Selbstmassage . Im Jin Dan Dao heißt eine praktisch identische Übung „Zwei Drachen spielen mit der Perle“, eine unserer berührenden Übungen.

Quelle: Anonymous (Qing dynasty), Kangxi reign mark – Own work (BurgererSF), CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26539549

Vereinfacht gesagt ziehen wir hier mit den Händen auf unserem Unterbauch Kreise – eine Kugel, Sonne, Perle oder auch Lichtstreif vor unserem inneren Auge. Allen Varianten dieser Übung gemeinsam ist: Wir bleiben beim Richtungswechsel nicht einfach mit den Händen stehen und drehen dann anders herum. Das können wir natürlich auch tun. Besser aber ist und so habe ich es in meiner Qigong-Ausbildung bei Gerhard Milbrat auch gelernt: Wir wechseln die Richtung, indem wir unsere Hände eine S-Linie beschreiben lassen und aus ihr heraus ohne Unterbrechung die Richtung wechseln. Mit dieser S-Linie beschreiben wir dann in der Übung das Taijitu im Unterbauch, also das Symbol von Yin und Yang. ☯

Liu Han Wen schreibt:

Findet der Ausgleich von Yin und Yang durch das „Drei-Kreise-Zeichnen“ statt, so führt es dazu, dass das vorgeburtliche Qi das nachgeburtliche Qi kultiviert, vermehrt und reguliert. Dadurch wird der ganze Körper belebt und regeneriert sowie die Sekretion der inneren Drüsen angeregt.

Außerdem:

Die Yin-Yang-Fischlinie (Himmel und Erde) (Yin Yang Yu (Tian Di Bu) und Wang Wu Shen (chines.Schriftzeichen sind weggelassen) bedeuten, dass alles in der Polarität von Yin und Yang entsteht und dass die Polarität aus allem hervorgeht. Zweiheit und Einheit bedingen sich wechselseitig. Yin und Yang, Himmel und Erde bestehen jeweils beide in allen Dingen und befinden sich miteinander im Einen, dem Wandel. Es existieren Theorien, Anweisungen und Methoden für die Bewegung und die Ruhe, für ein Vordringen und Zurückweichen und eine unendliche Anzahl von geheimnisvollen Zielen und Philosophieen. Man erfährt Miao“ (Glück der spontanen Verwirklichung)“, das Wunderbare oder Unbeschreibliche.

Liu Han Wen war es auch, der gesagt hat:

„Will man die Wahrheit erfahren, die sich hinter Qigong verbirgt, sollte man es praktizieren.“

Ich kann mich dem nur voll anschließen. Es ist ein Glück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.