Qi

Manche sprechen nie darüber, für andere ist es ein wichtiges Thema. Qi hat für unsere Ohren immer etwas ein bisschen Geheimnisvolles. Doch es steckt im Begriff Qigong oder auch Qi Gong, daher: Was ist denn dieses Qi eigentlich? (Buchauszug)

Qi ist einer von drei Energiezuständen

Qi wirkt für unser hiesiges, westliches Verständnis zunächst etwas unverständlich oder gar mysteriös. Es scheint auch zuweilen nicht ganz klar, ob es das überhaupt gibt, dieses Qi.

Wenn es darum geht, zu ergründen, was Qi ist, versuchen wir uns an dem uns unbekannt scheinenden Konzept oft erst einmal mit einer Festlegung dessen, was es nicht ist. Qi ist nicht Blut oder Durchblutung. Blut ist Xue und wird nach chinesisch medizinischer Anschauung zwar von Qi bewegt, ist aber nicht identisch damit. Qi ist auch nicht die Übertragung von Nervenimpulsen. Die Meridiane, in denen unser Qi zirkuliert, sind also weder unsere Blutgefäße, noch die Nervenverbindungen – und mit unserer anatomischen Herangehensweise generell offenbar schwer dingfest zu machen.

Vor einigen Jahren gelang es Wissenschaftlern, in Magnetresonanztomographien (MRT) beziehungsweise Computertomographieaufnahmen (CT) Ansammlungen von so etwas wie elektromagnetischen Strömungen an Stellen im oder auf dem Körper sichtbar zu machen, die aus den Akupunkturkarten der TCM (= Traditionelle Chinesische Medizin) als Akupunkturpunkte seit Jahrtausenden bekannt sind. AkupunkturpuppeQi könnte also vielleicht so etwas wie unsere elektromagnetische Energie sein – so wie auch die Erde, unser Planet, selbst elektromagnetische oder magnetische Energieströme aufweisen soll. Zumindest ist mittlerweile wohl erwiesen, dass Zugvögel, Rotkehlchen oder auch beispielsweise Füchse einen Magnetsinn besitzen und sich damit orientieren. Die Fähigkeit, das Magnetfeld der Erde wahrzunehmen, wurde bei mehreren Dutzend Arten festgestellt: Rotkehlchen, Dorngrasmücken, Haustauben, Ameisen und Termiten, Wespen und Honigbienen, Feldmaikäfern, diversen Weichtieren, Krebstieren, Amphibien und Reptilien sowie auch europäischen Aalen und Lachsen, aber auch Waldmäusen, Goldhamstern, Hauspferden und anderen Säugetieren.
Einen wissenschaftlich anerkannten letzten Beweis für die Existenz von Qi als Materie oder physikalisch messbarer Kraft sowie dessen Beschaffenheit, der unseren wissenschaftlichen Standards genügt, gibt es meines Wissens bislang nicht.

Ein Stück weit bleibt Qi im wissenschaftlichen Sinne also Spekulation. Ob wir Qi nun als Energie und Lebenskraft verstehen, als elektromagnetische Kraft: dass es existiert, dem können wir mit jeder Mahlzeit, jedem Atemzug und jedem Schluck Wasser von Neuem nachspüren – ohne uns dafür weiter um das Konzept kümmern zu müssen.

Was immer Qi im wissenschaftlichen Sinne sein mag – wie wir Qi gewinnen, ist nach chinesisch medizinischer Auffassung klar: zunächst einmal mit der Geburt, von unseren Eltern. Speicherort für dieses Yuan- oder auch Ursprungs-Qi sind die Nieren. Zu unserem erworbenen Qi kommen wir über unsere Atmung und Nahrung. Mit Qigong können wir unser Qi bewahren und nähren.

Und das ist auch hilfreich, denn natürlich verbrauchen wir Qi im Lauf unseres täglichen Lebens auch: durch Bewegung sowie durch Denken und Fühlen.

(Auszug aus: Midia Nuri: Die Kraft des Qigong: Gleichgewicht in allen Lebenslagen. (ISBN 978-3-8403-7933-8)

Midia Nuri: Die Kraft des Qigong, Verlag Meyer & Meyer

Ob wir uns nun mit Qi befassen wollen oder nicht – das Wichtigste für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist am Ende, dass es fließt.