Sonne, Mond und Sterne

Die sind nicht nur etwas für ein Martins- oder Kinderlied. Auch Daoisten arbeiten damit.

Die Rede ist von San Bao – den drei Schätzen (Buchauszug)

Der Weg schuf die Einheit,
Einheit schuf Zweiheit
Zweiheit schuf Dreiheit
Dreiheit schuf die zehntausend Wesen.
Die zehntausend Wesen
Tragen das dunkle Yin auf dem Rücken,
Das lichte Yang in den Armen.
Der Atem des Leeren macht ihren Einklang.
(aus: Tao Te King (Dao De Jing) von Lao Tse (Laozi), übersetzt von Günter Debon, Reclam)

Die Zahl Drei hat im Chinesischen eine besondere symbolische Bedeutung. Ein Grund dürfte – wie so oft in der chinesischen Zahlenmythologie – sein, dass das Zahlwort eine gewisse Wortähnlichkeit zu einem als glückbringend geltenden Wort hat: So wird die „drei“ san ausgesprochen, was dem cái in facái (Geld bekommen) ähnelt. Grund genug, sie für glückbringend zu halten.

Die drei Schätze – San Bao

Tore werden in ganz China gerne mit drei Torbögen gebaut. In der  daoistischen Kosmologie und auch der konfuzianischen Philosophie ist die Triade Himmel, Erde und Mensch von Bedeutung, bei der Himmel mit Yang assoziiert wird, Erde mit Yin und der Mensch beide Gegensätze in sich vereint und in einen Ausgleich bringt. Und wie im deutschen Volksmund aller guten Dinge drei sind oder nach christlicher Vorstellung der  allmächtige Gott dreifaltig ist (der Vater, der Sohn und der Heilige Geist), so finden sich nach daoistischer Auffassung auf allen Ebenen unseres Daseins je drei Schätze (San Bao).

Die drei himmlischen Schätze sind nach daoistischer Vorstellung Sonne, Mond und Sterne – die Daoisten beispielsweise der Drachentorschule (Longmen Pai) auch in Qigong-Übungen nutzen.

Als die drei allgemeinen Schätze gelten Genügsamkeit, Liebe/Mitgefühl und Verzicht auf Ruhm. Auch diese drei Schätze halten uns gesund und in Balance.

Unsere äußeren drei Schätze sind Augen, Mund und Ohren. Gut, wenn wir diese auf förderliche Weise einsetzen – und darauf achten, was wir sehen, hören und sagen.

Die menschlichen drei Schätze sind Jing, Qi und Shen. Sie können als die drei Aggregatzustände unserer Energie gesehen werden – es gibt also nicht nur Qi.

Auch die kosmischen drei Schätze sind zu nennen: das kosmische Jing, das kosmische (auch Ursprungs- bzw. Yuan-) Qi und kosmisches Shen. Für diese Ebene fehlen uns aber letztlich die Messmethoden. Und auch Worten erschließt sich diese Ebene der San Bao nicht mehr so leicht.

aus: Midia Nuri: Die Kraft des Qigong: Gleichgewicht in allen Lebenslagen. (ISBN 978-3-8403-7933-8)

Midia Nuri: Die Kraft des Qigong, Verlag Meyer & Meyer